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	<title>Sexualstrafrecht-Archiv - Rechtsanwalt für Strafrecht</title>
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	<link>https://dost-rechtsanwalt.de/kategorien/sexualstrafrecht/</link>
	<description>Investigative Strafverteidigung mit Mut und Verstand</description>
	<lastBuildDate>Fri, 18 Sep 2026 08:35:47 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
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	<item>
		<title>Reform Sexualstrafrecht &#8211; Neue Vorschläge</title>
		<link>https://dost-rechtsanwalt.de/reform-sexualstrafrecht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Oliver Marson]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jul 2026 12:30:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sexualstrafrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Vergewaltigung]]></category>
		<category><![CDATA[Reform Sexualstrafrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Reformvorschläge]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://dost-rechtsanwalt.de/?p=15390</guid>

					<description><![CDATA[<h2>Reform Sexualstrafrecht: Was sich jetzt ändern soll</h2>
<p>Das Sexualstrafrecht steht erneut vor einer tiefgreifenden Veränderung. Nach der großen Reform von 2016, die das Prinzip „Nein heißt Nein“ in § 177 StGB verankert hat, diskutiert die Politik nun den nächsten Schritt. Im Zentrum stehen drei Themen: das Modell „Nur Ja heißt Ja“, längere Verjährungsfristen bei Vergewaltigung und neue Straftatbestände gegen digitale sexualisierte Gewalt, insbesondere gegen pornografische Deepfakes.</p>
<p>Für Beschuldigte, Betroffene und Strafverteidiger ist diese Entwicklung hochsensibel. Denn jede Reform Sexualstrafrecht verschiebt nicht nur Strafrahmen, sondern auch Ermittlungsdruck, Beweisfragen und Verteidigungsstrategien. Gerade im Sexualstrafrecht entscheidet oft eine einzige Aussage, ein Chatverlauf, ein Handyfund oder eine unklare Situation über Anklage, Freispruch oder Verurteilung.</p>
<h2>Ausgangspunkt: Was gilt derzeit?</h2>
<p>Derzeit bestraft<a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__177.html" target="_blank" rel="noopener"> § 177 Abs. 1 StGB</a> sexuelle Handlungen gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. § 177 Abs. 2 StGB erfasst außerdem Fälle, in denen der Täter ausnutzt, dass die betroffene Person keinen entgegenstehenden Willen bilden oder äußern kann, etwa wegen Bewusstlosigkeit, Schlaf, starker Alkoholisierung oder psychischer Ausnahmezustände. Bei Gewalt, Drohung, schutzloser Lage oder besonders erniedrigenden Handlungen steigt der Strafrahmen erheblich; die Vergewaltigung ist als besonders schwerer Fall in § 177 Abs. 6 StGB geregelt.</p>
<p>Dieses System folgt seit 2016 dem Gedanken: Eine sexuelle Handlung ist strafbar, wenn sie gegen den erkennbaren Willen vorgenommen wird. Genau hier setzt die aktuelle Reformdebatte an. Kritiker sagen, dass dieses Modell Fälle nicht ausreichend erfasst, in denen Betroffene aus Angst, Schockstarre oder Überforderung gar kein „Nein“ äußern können. Verteidiger müssen dagegen darauf achten, dass aus einer gut gemeinten Reform keine Beweislastverschiebung entsteht.</p>
<h2>„Nur Ja heißt Ja“: Der politisch wichtigste Reformvorschlag</h2>
<p>Der Bundesrat hat sich im Juli 2026 für die Einführung des Grundsatzes „Nur Ja heißt Ja“ ausgesprochen. Danach soll nicht mehr nur der erkennbare entgegenstehende Wille entscheidend sein. Vielmehr soll das Fehlen einer freiwilligen und erkennbaren Zustimmung im Mittelpunkt stehen. Die Entschließung wird der Bundesregierung übermittelt; ob sie daraus einen Gesetzentwurf macht, liegt bei ihr. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig unterstützt den Vorschlag ausdrücklich und verweist darauf, dass andere europäische Staaten bereits entsprechende Regelungen kennen.</p>
<p>Für die Strafverteidigung ist dieser Punkt entscheidend. Denn wenn künftig die Zustimmung stärker in den Mittelpunkt rückt, wird in Ermittlungsverfahren noch genauer gefragt werden: Wurde Zustimmung ausdrücklich erklärt? Reichte ein Verhalten aus? War Schweigen eindeutig? Gab es eine frühere Zustimmung, und galt sie noch fort? Wurde sie widerrufen? Und vor allem: Was konnte der Beschuldigte in der konkreten Situation erkennen?</p>
<p>Ein Beispiel: Zwei Personen treffen sich nach einem Chatkontakt. Es kommt zunächst zu einvernehmlichen sexuellen Handlungen. Später behauptet eine Person, sie habe innerlich nicht mehr gewollt, aber nichts gesagt. Nach geltendem Recht steht die Erkennbarkeit des entgegenstehenden Willens im Mittelpunkt. Bei einem „Nur Ja heißt Ja“-Modell könnte dagegen stärker gefragt werden, ob für die konkrete Handlung eine freiwillige Zustimmung vorlag. Damit wird die Aussageanalyse noch wichtiger.</p>
<h2>Verjährung bei Vergewaltigung: Von fünf auf zwanzig Jahre?</h2>
<p>Ein weiterer Reformvorschlag betrifft die Verjährung. Bundesjustizministerin Hubig hat sich dafür ausgesprochen, die Verjährungsfrist bei Vergewaltigung von derzeit fünf auf zwanzig Jahre zu verlängern. Sie begründet dies damit, dass Betroffene häufig erst nach vielen Jahren oder Jahrzehnten in der Lage seien, Anzeige zu erstatten. Auch aus der Union gibt es Unterstützung für längere Fristen, während beim „Nur Ja heißt Ja“-Modell weiterhin Bedenken wegen der Beweisbarkeit geäußert werden.</p>
<p>Der Hintergrund ist juristisch kompliziert. Nach § 78 Abs. 3 StGB richtet sich die Verjährungsfrist grundsätzlich nach der Strafdrohung: fünf Jahre bei Taten mit Höchststrafe von mehr als einem Jahr bis zu fünf Jahren, zehn Jahre bei Höchststrafe über fünf bis zehn Jahre und zwanzig Jahre bei Höchststrafe über zehn Jahren. Gerade weil § 177 StGB unterschiedliche Grundtatbestände, Regelbeispiele und Qualifikationen enthält, kann die Verjährungsfrage im Einzelfall hochstreitig sein.</p>
<p>Ein Beispiel: Wird eine betroffene Person sediert, schläft oder ist sie nicht in der Lage, einen Willen zu bilden oder zu äußern, kann die rechtliche Einordnung erhebliche Folgen für die Verjährung haben. Die Justizministerkonferenz diskutierte deshalb ausdrücklich Fälle, in denen schwere sexuelle Übergriffe erst spät bekannt werden und dann bereits verjährt sein können.</p>
<h2>Digitale sexualisierte Gewalt und Deepfake-Pornografie</h2>
<p>Die nächste Reform Sexualstrafrecht betrifft den digitalen Raum. Bundesjustizministerin Hubig hat einen Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt angekündigt beziehungsweise vorgelegt. Danach sollen insbesondere pornografische Deepfakes stärker erfasst werden. Geplant sind neue Straftatbestände, etwa zur Verletzung der Intimsphäre durch Bildaufnahmen, zur Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch täuschende Inhalte und zur unbefugten Überwachung. Außerdem sollen Betroffene leichter gegen Accounts vorgehen können.</p>
<p>Auch Reuters berichtete, dass Hubig ein Gesetz zur Strafbarkeit der Herstellung pornografischer Deepfakes und voyeuristischer Aufnahmen angekündigt hat. Hintergrund ist die öffentliche Debatte um digitale sexualisierte Gewalt und die Frage, ob das geltende Recht die bloße Herstellung manipulierter sexualisierter Inhalte ausreichend erfasst.</p>
<p>Für Beschuldigte bedeutet das: Die Strafbarkeit wird sich künftig nicht mehr nur um klassische körperliche Sexualdelikte drehen. Auch KI-generierte Bilder, manipulierte Videos, Fake-Profile, Cloud-Daten, Messenger-Gruppen und Plattformverhalten können in den Mittelpunkt eines Sexualstrafverfahrens geraten.</p>
<h2>Aktuelle Rechtsprechung: Stealthing zeigt die Richtung</h2>
<p>Die Rechtsprechung hat bereits gezeigt, wie fein die Abgrenzungen geworden sind. Der BGH entschied im Beschluss vom 13. Dezember 2022 – 3 StR 372/22 –, dass ungeschützter Geschlechtsverkehr gegen den erkennbaren Willen vorliegen kann, wenn eine Person Geschlechtsverkehr ersichtlich nur unter der Voraussetzung eines Kondoms wollte. Der BGH stellte klar, dass Geschlechtsverkehr mit Kondom und ohne Kondom rechtlich unterschiedlich bewertet werden können.</p>
<p>Gleichzeitig hob der BGH in derselben Entscheidung ein Urteil teilweise auf, weil das Gericht den Angeklagten nicht ordnungsgemäß auf eine veränderte rechtliche Bewertung hingewiesen hatte. Das zeigt: Auch im Sexualstrafrecht gelten Verteidigungsrechte. Ein Gericht darf nicht überraschend von einer anderen Begehungsform ausgehen, ohne dem Angeklagten Gelegenheit zur Verteidigung zu geben.</p>
<h2>Was bedeutet das für Beschuldigte?</h2>
<p>Die Reform Sexualstrafrecht wird Ermittlungsverfahren voraussichtlich ausweiten. Mehr Anzeigen, mehr digitale Auswertungen und mehr schwierige Aussage-gegen-Aussage-Konstellationen sind zu erwarten. Deshalb gilt: Beschuldigte sollten keine spontane Aussage machen. Erst nach Akteneinsicht lässt sich prüfen, was genau behauptet wird, welche Beweise existieren und welche rechtliche Einordnung droht.</p>
<p>Als <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/kontakt-zum-strafverteidiger-marson/" target="_blank" rel="noopener">Strafverteidiger</a> prüfe ich insbesondere Aussageentstehung, Aussagekonstanz, Chatverläufe, digitale Spuren, Gutachten, Verjährung, Tatbestandsmerkmale und mögliche Verfahrensfehler. Gerade bei neuen Reformtatbeständen wird entscheidend sein, ob Ermittlungsbehörden sauber zwischen </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/reform-sexualstrafrecht/">Reform Sexualstrafrecht &#8211; Neue Vorschläge</a> erschien zuerst auf <a href="https://dost-rechtsanwalt.de">Rechtsanwalt für Strafrecht</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Reform Sexualstrafrecht: Was sich jetzt ändern soll</h2>
<p>Das Sexualstrafrecht steht erneut vor einer tiefgreifenden Veränderung. Nach der großen Reform von 2016, die das Prinzip „Nein heißt Nein“ in § 177 StGB verankert hat, diskutiert die Politik nun den nächsten Schritt. Im Zentrum stehen drei Themen: das Modell „Nur Ja heißt Ja“, längere Verjährungsfristen bei Vergewaltigung und neue Straftatbestände gegen digitale sexualisierte Gewalt, insbesondere gegen pornografische Deepfakes.</p>
<p>Für Beschuldigte, Betroffene und Strafverteidiger ist diese Entwicklung hochsensibel. Denn jede Reform Sexualstrafrecht verschiebt nicht nur Strafrahmen, sondern auch Ermittlungsdruck, Beweisfragen und Verteidigungsstrategien. Gerade im Sexualstrafrecht entscheidet oft eine einzige Aussage, ein Chatverlauf, ein Handyfund oder eine unklare Situation über Anklage, Freispruch oder Verurteilung.</p>
<h2>Ausgangspunkt: Was gilt derzeit?</h2>
<p>Derzeit bestraft<a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__177.html" target="_blank" rel="noopener"> § 177 Abs. 1 StGB</a> sexuelle Handlungen gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. § 177 Abs. 2 StGB erfasst außerdem Fälle, in denen der Täter ausnutzt, dass die betroffene Person keinen entgegenstehenden Willen bilden oder äußern kann, etwa wegen Bewusstlosigkeit, Schlaf, starker Alkoholisierung oder psychischer Ausnahmezustände. Bei Gewalt, Drohung, schutzloser Lage oder besonders erniedrigenden Handlungen steigt der Strafrahmen erheblich; die Vergewaltigung ist als besonders schwerer Fall in § 177 Abs. 6 StGB geregelt.</p>
<p>Dieses System folgt seit 2016 dem Gedanken: Eine sexuelle Handlung ist strafbar, wenn sie gegen den erkennbaren Willen vorgenommen wird. Genau hier setzt die aktuelle Reformdebatte an. Kritiker sagen, dass dieses Modell Fälle nicht ausreichend erfasst, in denen Betroffene aus Angst, Schockstarre oder Überforderung gar kein „Nein“ äußern können. Verteidiger müssen dagegen darauf achten, dass aus einer gut gemeinten Reform keine Beweislastverschiebung entsteht.</p>
<h2>„Nur Ja heißt Ja“: Der politisch wichtigste Reformvorschlag</h2>
<p>Der Bundesrat hat sich im Juli 2026 für die Einführung des Grundsatzes „Nur Ja heißt Ja“ ausgesprochen. Danach soll nicht mehr nur der erkennbare entgegenstehende Wille entscheidend sein. Vielmehr soll das Fehlen einer freiwilligen und erkennbaren Zustimmung im Mittelpunkt stehen. Die Entschließung wird der Bundesregierung übermittelt; ob sie daraus einen Gesetzentwurf macht, liegt bei ihr. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig unterstützt den Vorschlag ausdrücklich und verweist darauf, dass andere europäische Staaten bereits entsprechende Regelungen kennen.</p>
<p>Für die Strafverteidigung ist dieser Punkt entscheidend. Denn wenn künftig die Zustimmung stärker in den Mittelpunkt rückt, wird in Ermittlungsverfahren noch genauer gefragt werden: Wurde Zustimmung ausdrücklich erklärt? Reichte ein Verhalten aus? War Schweigen eindeutig? Gab es eine frühere Zustimmung, und galt sie noch fort? Wurde sie widerrufen? Und vor allem: Was konnte der Beschuldigte in der konkreten Situation erkennen?</p>
<p>Ein Beispiel: Zwei Personen treffen sich nach einem Chatkontakt. Es kommt zunächst zu einvernehmlichen sexuellen Handlungen. Später behauptet eine Person, sie habe innerlich nicht mehr gewollt, aber nichts gesagt. Nach geltendem Recht steht die Erkennbarkeit des entgegenstehenden Willens im Mittelpunkt. Bei einem „Nur Ja heißt Ja“-Modell könnte dagegen stärker gefragt werden, ob für die konkrete Handlung eine freiwillige Zustimmung vorlag. Damit wird die Aussageanalyse noch wichtiger.</p>
<h2>Verjährung bei Vergewaltigung: Von fünf auf zwanzig Jahre?</h2>
<p>Ein weiterer Reformvorschlag betrifft die Verjährung. Bundesjustizministerin Hubig hat sich dafür ausgesprochen, die Verjährungsfrist bei Vergewaltigung von derzeit fünf auf zwanzig Jahre zu verlängern. Sie begründet dies damit, dass Betroffene häufig erst nach vielen Jahren oder Jahrzehnten in der Lage seien, Anzeige zu erstatten. Auch aus der Union gibt es Unterstützung für längere Fristen, während beim „Nur Ja heißt Ja“-Modell weiterhin Bedenken wegen der Beweisbarkeit geäußert werden.</p>
<p>Der Hintergrund ist juristisch kompliziert. Nach § 78 Abs. 3 StGB richtet sich die Verjährungsfrist grundsätzlich nach der Strafdrohung: fünf Jahre bei Taten mit Höchststrafe von mehr als einem Jahr bis zu fünf Jahren, zehn Jahre bei Höchststrafe über fünf bis zehn Jahre und zwanzig Jahre bei Höchststrafe über zehn Jahren. Gerade weil § 177 StGB unterschiedliche Grundtatbestände, Regelbeispiele und Qualifikationen enthält, kann die Verjährungsfrage im Einzelfall hochstreitig sein.</p>
<p>Ein Beispiel: Wird eine betroffene Person sediert, schläft oder ist sie nicht in der Lage, einen Willen zu bilden oder zu äußern, kann die rechtliche Einordnung erhebliche Folgen für die Verjährung haben. Die Justizministerkonferenz diskutierte deshalb ausdrücklich Fälle, in denen schwere sexuelle Übergriffe erst spät bekannt werden und dann bereits verjährt sein können.</p>
<h2>Digitale sexualisierte Gewalt und Deepfake-Pornografie</h2>
<p>Die nächste Reform Sexualstrafrecht betrifft den digitalen Raum. Bundesjustizministerin Hubig hat einen Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt angekündigt beziehungsweise vorgelegt. Danach sollen insbesondere pornografische Deepfakes stärker erfasst werden. Geplant sind neue Straftatbestände, etwa zur Verletzung der Intimsphäre durch Bildaufnahmen, zur Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch täuschende Inhalte und zur unbefugten Überwachung. Außerdem sollen Betroffene leichter gegen Accounts vorgehen können.</p>
<p>Auch Reuters berichtete, dass Hubig ein Gesetz zur Strafbarkeit der Herstellung pornografischer Deepfakes und voyeuristischer Aufnahmen angekündigt hat. Hintergrund ist die öffentliche Debatte um digitale sexualisierte Gewalt und die Frage, ob das geltende Recht die bloße Herstellung manipulierter sexualisierter Inhalte ausreichend erfasst.</p>
<p>Für Beschuldigte bedeutet das: Die Strafbarkeit wird sich künftig nicht mehr nur um klassische körperliche Sexualdelikte drehen. Auch KI-generierte Bilder, manipulierte Videos, Fake-Profile, Cloud-Daten, Messenger-Gruppen und Plattformverhalten können in den Mittelpunkt eines Sexualstrafverfahrens geraten.</p>
<h2>Aktuelle Rechtsprechung: Stealthing zeigt die Richtung</h2>
<p>Die Rechtsprechung hat bereits gezeigt, wie fein die Abgrenzungen geworden sind. Der BGH entschied im Beschluss vom 13. Dezember 2022 – 3 StR 372/22 –, dass ungeschützter Geschlechtsverkehr gegen den erkennbaren Willen vorliegen kann, wenn eine Person Geschlechtsverkehr ersichtlich nur unter der Voraussetzung eines Kondoms wollte. Der BGH stellte klar, dass Geschlechtsverkehr mit Kondom und ohne Kondom rechtlich unterschiedlich bewertet werden können.</p>
<p>Gleichzeitig hob der BGH in derselben Entscheidung ein Urteil teilweise auf, weil das Gericht den Angeklagten nicht ordnungsgemäß auf eine veränderte rechtliche Bewertung hingewiesen hatte. Das zeigt: Auch im Sexualstrafrecht gelten Verteidigungsrechte. Ein Gericht darf nicht überraschend von einer anderen Begehungsform ausgehen, ohne dem Angeklagten Gelegenheit zur Verteidigung zu geben.</p>
<h2>Was bedeutet das für Beschuldigte?</h2>
<p>Die Reform Sexualstrafrecht wird Ermittlungsverfahren voraussichtlich ausweiten. Mehr Anzeigen, mehr digitale Auswertungen und mehr schwierige Aussage-gegen-Aussage-Konstellationen sind zu erwarten. Deshalb gilt: Beschuldigte sollten keine spontane Aussage machen. Erst nach Akteneinsicht lässt sich prüfen, was genau behauptet wird, welche Beweise existieren und welche rechtliche Einordnung droht.</p>
<p>Als <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/kontakt-zum-strafverteidiger-marson/" target="_blank" rel="noopener">Strafverteidiger</a> prüfe ich insbesondere Aussageentstehung, Aussagekonstanz, Chatverläufe, digitale Spuren, Gutachten, Verjährung, Tatbestandsmerkmale und mögliche Verfahrensfehler. Gerade bei neuen Reformtatbeständen wird entscheidend sein, ob Ermittlungsbehörden sauber zwischen </p><p>Der Beitrag <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/reform-sexualstrafrecht/">Reform Sexualstrafrecht &#8211; Neue Vorschläge</a> erschien zuerst auf <a href="https://dost-rechtsanwalt.de">Rechtsanwalt für Strafrecht</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>NCMEC-Meldung und IP-Adresse – Reicht das für eine Hausdurchsuchung?</title>
		<link>https://dost-rechtsanwalt.de/ncmec-meldung-und-ip-adresse-reicht-das-fuer-eine-hausdurchsuchung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Oliver Marson]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 12:16:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kinderpornographische Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Hausdurchsuchung]]></category>
		<category><![CDATA[NCMEC-Meldung]]></category>
		<category><![CDATA[Verwertungsverbot]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://dost-rechtsanwalt.de/?p=14963</guid>

					<description><![CDATA[<h2>Gerichte bewerten digitale Hinweise aus den USA unterschiedlich</h2>
<p>Zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184b.html" target="_blank" rel="noopener">kinder- oder jugendpornographischer</a> Inhalte beginnen mit einer Meldung des National Center for Missing and Exploited Children, kurz NCMEC. Das NCMEC ist keine amerikanische Strafverfolgungsbehörde, sondern eine private US-amerikanische Organisation. Amerikanische Internetdienste übermitteln ihr Verdachtsmeldungen, wenn deren Systeme möglicherweise strafbare Bild- oder Videodateien erkennen. Das NCMEC erstellt anschließend einen CyberTipline-Report und leitet diesen bei einem Deutschlandbezug an das Bundeskriminalamt weiter.</p>
<p>Der Report kann unter anderem folgende Informationen enthalten:</p>
<ul>
<li>Benutzername oder E-Mail-Adresse,</li>
<li>IP-Adresse und Zeitstempel,</li>
<li>Kontodaten,</li>
<li>Hashwerte,</li>
<li>einzelne Bild- oder Videodateien,</li>
<li>Angaben des meldenden Internetdienstes.</li>
</ul>
<p>Anschließend ermitteln deutsche Behörden den Anschlussinhaber. Daraufhin beantragt die Staatsanwaltschaft häufig einen Durchsuchungsbeschluss. Allerdings identifiziert eine IP-Adresse zunächst nur einen Internetanschluss. Sie beweist weder, wer ein bestimmtes Endgerät bedient hat, noch wer eine Datei bewusst hochgeladen oder versandt hat. Gerade deshalb streiten die Gerichte darüber, wann eine NCMEC-Meldung einen ausreichenden Anfangsverdacht gegen eine konkrete Person begründet.</p>
<h2>Welche Voraussetzungen gelten für eine Hausdurchsuchung?</h2>
<p>Die Durchsuchung beim Beschuldigten richtet sich nach §§ 102 und 105 StPO. Weil die Durchsuchung erheblich in das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung aus Art. 13 GG eingreift, benötigt das Gericht zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine bereits begangene Straftat. Bloße Vermutungen genügen nicht. Der Anfangsverdacht muss außerdem gerade gegen die Person bestehen, deren Wohnung durchsucht werden soll. Die Ermittlungsbehörden dürfen deshalb nicht zunächst eine gesamte Familie durchsuchen, um erst auf diesem Weg festzustellen, wer möglicherweise eine Datei verwendet hat. Zusätzlich muss die Durchsuchung verhältnismäßig sein. Das Gericht muss daher insbesondere berücksichtigen:</p>
<ul>
<li>die Stärke des Tatverdachts,</li>
<li>die Schwere des Vorwurfs,</li>
<li>den zeitlichen Abstand zur gemeldeten Handlung,</li>
<li>die Wahrscheinlichkeit, noch Beweismittel zu finden,</li>
<li>mögliche weniger belastende Ermittlungsmaßnahmen,</li>
<li>die Zahl möglicher Nutzer des Anschlusses.</li>
</ul>
<p>Gerade diese Anforderungen standen im Mittelpunkt zweier kritischer Entscheidungen des Landgerichts Detmold und des Amtsgerichts Reutlingen.</p>
<h2>LG Detmold: NCMEC-Meldung ließ keine sichere Täterzuordnung zu</h2>
<p>Das<strong> Landgericht Detmold</strong> erklärte mit Beschluss vom 11. April 2022 – 23 Qs 27/22 – eine bereits vollzogene Durchsuchung für rechtswidrig. Ausgangspunkt war eine NCMEC-Meldung. Danach sollte ein unbekannter Nutzer über eine E-Mail-Adresse Dateien auf Dropbox hochgeladen haben, die das NCMEC als kinder- beziehungsweise jugendpornographisch bewertete.Die weiteren Ermittlungen führten zwar zu einer Telefonnummer und einer Wohnanschrift. Allerdings war die Telefonnummer nicht dem späteren Beschuldigten, sondern seiner Mutter zugeordnet. Außerdem lebten unter der Anschrift mehrere weitere Personen. Mindestens zwei von ihnen kamen nach Alter und Geschlecht ebenfalls als mögliche Nutzer in Betracht. Deshalb bestanden nach Auffassung des Landgerichts bereits erhebliche Zweifel, ob der Tatverdacht ausreichend auf den Beschuldigten zugeschnitten war. Hinzu kam der Zeitablauf. Zwischen dem gemeldeten Upload und dem Erlass des Durchsuchungsbeschlusses lag mehr als ein Jahr. Weitere verdächtige Handlungen waren während dieses Zeitraums nicht bekannt geworden. Ebenso fehlten konkrete Hinweise darauf, dass der Beschuldigte noch über die gemeldeten Dateien oder weiteres strafbares Material verfügte.</p>
<p>Das Gericht beanstandete deshalb insbesondere:</p>
<ul>
<li>die unklare Zuordnung der E-Mail-Adresse,</li>
<li>die Zuordnung der Telefonnummer zu einer anderen Person,</li>
<li>mehrere mögliche Nutzer in demselben Haushalt,</li>
<li>den schwachen personenbezogenen Tatverdacht,</li>
<li>den erheblichen Zeitablauf,</li>
<li>die fehlende konkrete Auffindewahrscheinlichkeit.</li>
<li>Das Landgericht hielt die Durchsuchung bei einer Gesamtwürdigung für unverhältnismäßig.</li>
</ul>
<p><strong>Kein allgemeines Beweisverwertungsverbot durch das LG Detmold</strong></p>
<p>Die Verteidigung hatte zusätzlich argumentiert, die vom NCMEC und vom BKA übermittelten Erkenntnisse unterlägen einem Beweisverwertungsverbot. Sie machte geltend, deutsche Behörden lagerten unzulässige Ermittlungsmaßnahmen auf eine private ausländische Organisation aus. Das Landgericht musste diese weitreichende Frage jedoch nicht abschließend entscheiden. Es erklärte die Durchsuchung bereits wegen des schwachen Tatverdachts und der fehlenden Verhältnismäßigkeit für rechtswidrig. Aus dem Beschluss folgt deshalb kein allgemeines Verbot, NCMEC-Daten in deutschen Strafverfahren zu verwenden. Die Entscheidung zeigt dennoch: Eine NCMEC-Meldung darf nicht schematisch übernommen werden. Vielmehr müssen Staatsanwaltschaft und Gericht prüfen, ob die Angaben tatsächlich eine konkrete Person belasten und ob nach dem Zeitablauf noch mit dem Auffinden von Beweismitteln zu rechnen ist.</p>
<h2>AG Reutlingen: CyberTipline-Report nicht forensisch überprüfbar</h2>
<p>Noch grundsätzlicher äußerte sich das Amtsgericht Reutlingen mit Beschluss vom 18. August 2022 – 5 Ds 52 Js 9104/22 jug. Das Gericht lehnte die Eröffnung des Hauptverfahrens ab. Für die Eröffnung wäre nach § 203 StPO ein hinreichender Tatverdacht erforderlich gewesen. Eine spätere Verurteilung hätte daher wahrscheinlicher sein müssen als ein Freispruch. Das Amtsgericht kritisierte insbesondere die mangelnde Transparenz des NCMEC-Verfahrens. Aus den vorliegenden Unterlagen ließ sich nicht zuverlässig nachvollziehen:</p>
<ul>
<li>welches technische System die Datei erkannt hatte,</li>
<li>ob ein Mensch die Datei überprüft hatte,</li>
<li>welche Algorithmen eingesetzt wurden,</li>
<li>wie die Datenzuordnung erfolgte,</li>
<li>wie die Beweismittelkette dokumentiert war,</li>
<li>welches konkrete Endgerät den Versand ausgelöst hatte,</li>
<li>welche Person das Endgerät tatsächlich bedient hatte.</li>
</ul>
<p>Die deutschen Behörden und Gerichte hatten keinen unmittelbaren Zugriff auf die technische Infrastruktur des meldenden Unternehmens und des NCMEC. Deshalb konnten sie die Entstehung des Reports nicht anhand anerkannter forensischer Maßstäbe selbst nachvollziehen. Außerdem führte die dynamische IP-Adresse lediglich in einen Haushalt. Sie belegte jedoch nicht, dass gerade der Angeschuldigte den Instagram-Account bedient oder die gemeldete Datei versandt hatte. Das Amtsgericht verlangte deshalb zusätzliche Ermittlungen. Dazu hätten beispielsweise weitere Kontodaten, Geräteinformationen, Standortdaten, Login-Daten oder sonstige Anhaltspunkte für einen konkreten Nutzer gehören können. Die bloße Annahme, eine Person passe aufgrund ihres Alters oder Geschlechts eher zum Inhalt einer Datei, genügt nicht. Denn aus dem Inhalt einer strafbaren Datei lässt sich nicht zuverlässig auf ihren konkreten Nutzer schließen.</p>
<h2>Anfangsverdacht und hinreichender Tatverdacht unterscheiden</h2>
<p>Die beiden Entscheidungen betreffen unterschiedliche Verfahrensstufen. Für eine Durchsuchung genügt ein Anfangsverdacht. Die Schwelle liegt deshalb vergleichsweise niedrig. Dennoch muss der Verdacht auf konkreten Tatsachen beruhen und sich auf den Betroffenen beziehen. Für die Eröffnung des Hauptverfahrens benötigt das Gericht dagegen einen hinreichenden Tatverdacht. Nach Abschluss der Ermittlungen muss eine Verurteilung wahrscheinlicher sein als ein Freispruch. Deshalb kann eine NCMEC-Meldung möglicherweise erste Ermittlungen rechtfertigen, obwohl sie für eine Anklage oder Verurteilung nicht ausreicht. Allerdings darf die niedrige Schwelle des Anfangsverdachts nicht dazu führen, dass eine Hausdurchsuchung lediglich dazu dient, den bisher fehlenden personenbezogenen Tatverdacht erst zu erzeugen. Eine Durchsuchung setzt einen Verdacht voraus. Sie darf nicht an die Stelle des Verdachts treten.</p>
<p>Andere Gerichte lassen NCMEC-Meldungen genügen.</p>
<p><strong>Die Rechtsprechung ist nicht einheitlich.</strong></p>
<p>Das <strong>Landgericht Bamberg</strong> hielt mit Beschluss vom 18. Dezember 2023 – 15 Qs 86/23 – eine Durchsuchung für zulässig, nachdem die </p>
<p>Der Beitrag <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/ncmec-meldung-und-ip-adresse-reicht-das-fuer-eine-hausdurchsuchung/">NCMEC-Meldung und IP-Adresse – Reicht das für eine Hausdurchsuchung?</a> erschien zuerst auf <a href="https://dost-rechtsanwalt.de">Rechtsanwalt für Strafrecht</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[<h2>Gerichte bewerten digitale Hinweise aus den USA unterschiedlich</h2>
<p>Zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184b.html" target="_blank" rel="noopener">kinder- oder jugendpornographischer</a> Inhalte beginnen mit einer Meldung des National Center for Missing and Exploited Children, kurz NCMEC. Das NCMEC ist keine amerikanische Strafverfolgungsbehörde, sondern eine private US-amerikanische Organisation. Amerikanische Internetdienste übermitteln ihr Verdachtsmeldungen, wenn deren Systeme möglicherweise strafbare Bild- oder Videodateien erkennen. Das NCMEC erstellt anschließend einen CyberTipline-Report und leitet diesen bei einem Deutschlandbezug an das Bundeskriminalamt weiter.</p>
<p>Der Report kann unter anderem folgende Informationen enthalten:</p>
<ul>
<li>Benutzername oder E-Mail-Adresse,</li>
<li>IP-Adresse und Zeitstempel,</li>
<li>Kontodaten,</li>
<li>Hashwerte,</li>
<li>einzelne Bild- oder Videodateien,</li>
<li>Angaben des meldenden Internetdienstes.</li>
</ul>
<p>Anschließend ermitteln deutsche Behörden den Anschlussinhaber. Daraufhin beantragt die Staatsanwaltschaft häufig einen Durchsuchungsbeschluss. Allerdings identifiziert eine IP-Adresse zunächst nur einen Internetanschluss. Sie beweist weder, wer ein bestimmtes Endgerät bedient hat, noch wer eine Datei bewusst hochgeladen oder versandt hat. Gerade deshalb streiten die Gerichte darüber, wann eine NCMEC-Meldung einen ausreichenden Anfangsverdacht gegen eine konkrete Person begründet.</p>
<h2>Welche Voraussetzungen gelten für eine Hausdurchsuchung?</h2>
<p>Die Durchsuchung beim Beschuldigten richtet sich nach §§ 102 und 105 StPO. Weil die Durchsuchung erheblich in das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung aus Art. 13 GG eingreift, benötigt das Gericht zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine bereits begangene Straftat. Bloße Vermutungen genügen nicht. Der Anfangsverdacht muss außerdem gerade gegen die Person bestehen, deren Wohnung durchsucht werden soll. Die Ermittlungsbehörden dürfen deshalb nicht zunächst eine gesamte Familie durchsuchen, um erst auf diesem Weg festzustellen, wer möglicherweise eine Datei verwendet hat. Zusätzlich muss die Durchsuchung verhältnismäßig sein. Das Gericht muss daher insbesondere berücksichtigen:</p>
<ul>
<li>die Stärke des Tatverdachts,</li>
<li>die Schwere des Vorwurfs,</li>
<li>den zeitlichen Abstand zur gemeldeten Handlung,</li>
<li>die Wahrscheinlichkeit, noch Beweismittel zu finden,</li>
<li>mögliche weniger belastende Ermittlungsmaßnahmen,</li>
<li>die Zahl möglicher Nutzer des Anschlusses.</li>
</ul>
<p>Gerade diese Anforderungen standen im Mittelpunkt zweier kritischer Entscheidungen des Landgerichts Detmold und des Amtsgerichts Reutlingen.</p>
<h2>LG Detmold: NCMEC-Meldung ließ keine sichere Täterzuordnung zu</h2>
<p>Das<strong> Landgericht Detmold</strong> erklärte mit Beschluss vom 11. April 2022 – 23 Qs 27/22 – eine bereits vollzogene Durchsuchung für rechtswidrig. Ausgangspunkt war eine NCMEC-Meldung. Danach sollte ein unbekannter Nutzer über eine E-Mail-Adresse Dateien auf Dropbox hochgeladen haben, die das NCMEC als kinder- beziehungsweise jugendpornographisch bewertete.Die weiteren Ermittlungen führten zwar zu einer Telefonnummer und einer Wohnanschrift. Allerdings war die Telefonnummer nicht dem späteren Beschuldigten, sondern seiner Mutter zugeordnet. Außerdem lebten unter der Anschrift mehrere weitere Personen. Mindestens zwei von ihnen kamen nach Alter und Geschlecht ebenfalls als mögliche Nutzer in Betracht. Deshalb bestanden nach Auffassung des Landgerichts bereits erhebliche Zweifel, ob der Tatverdacht ausreichend auf den Beschuldigten zugeschnitten war. Hinzu kam der Zeitablauf. Zwischen dem gemeldeten Upload und dem Erlass des Durchsuchungsbeschlusses lag mehr als ein Jahr. Weitere verdächtige Handlungen waren während dieses Zeitraums nicht bekannt geworden. Ebenso fehlten konkrete Hinweise darauf, dass der Beschuldigte noch über die gemeldeten Dateien oder weiteres strafbares Material verfügte.</p>
<p>Das Gericht beanstandete deshalb insbesondere:</p>
<ul>
<li>die unklare Zuordnung der E-Mail-Adresse,</li>
<li>die Zuordnung der Telefonnummer zu einer anderen Person,</li>
<li>mehrere mögliche Nutzer in demselben Haushalt,</li>
<li>den schwachen personenbezogenen Tatverdacht,</li>
<li>den erheblichen Zeitablauf,</li>
<li>die fehlende konkrete Auffindewahrscheinlichkeit.</li>
<li>Das Landgericht hielt die Durchsuchung bei einer Gesamtwürdigung für unverhältnismäßig.</li>
</ul>
<p><strong>Kein allgemeines Beweisverwertungsverbot durch das LG Detmold</strong></p>
<p>Die Verteidigung hatte zusätzlich argumentiert, die vom NCMEC und vom BKA übermittelten Erkenntnisse unterlägen einem Beweisverwertungsverbot. Sie machte geltend, deutsche Behörden lagerten unzulässige Ermittlungsmaßnahmen auf eine private ausländische Organisation aus. Das Landgericht musste diese weitreichende Frage jedoch nicht abschließend entscheiden. Es erklärte die Durchsuchung bereits wegen des schwachen Tatverdachts und der fehlenden Verhältnismäßigkeit für rechtswidrig. Aus dem Beschluss folgt deshalb kein allgemeines Verbot, NCMEC-Daten in deutschen Strafverfahren zu verwenden. Die Entscheidung zeigt dennoch: Eine NCMEC-Meldung darf nicht schematisch übernommen werden. Vielmehr müssen Staatsanwaltschaft und Gericht prüfen, ob die Angaben tatsächlich eine konkrete Person belasten und ob nach dem Zeitablauf noch mit dem Auffinden von Beweismitteln zu rechnen ist.</p>
<h2>AG Reutlingen: CyberTipline-Report nicht forensisch überprüfbar</h2>
<p>Noch grundsätzlicher äußerte sich das Amtsgericht Reutlingen mit Beschluss vom 18. August 2022 – 5 Ds 52 Js 9104/22 jug. Das Gericht lehnte die Eröffnung des Hauptverfahrens ab. Für die Eröffnung wäre nach § 203 StPO ein hinreichender Tatverdacht erforderlich gewesen. Eine spätere Verurteilung hätte daher wahrscheinlicher sein müssen als ein Freispruch. Das Amtsgericht kritisierte insbesondere die mangelnde Transparenz des NCMEC-Verfahrens. Aus den vorliegenden Unterlagen ließ sich nicht zuverlässig nachvollziehen:</p>
<ul>
<li>welches technische System die Datei erkannt hatte,</li>
<li>ob ein Mensch die Datei überprüft hatte,</li>
<li>welche Algorithmen eingesetzt wurden,</li>
<li>wie die Datenzuordnung erfolgte,</li>
<li>wie die Beweismittelkette dokumentiert war,</li>
<li>welches konkrete Endgerät den Versand ausgelöst hatte,</li>
<li>welche Person das Endgerät tatsächlich bedient hatte.</li>
</ul>
<p>Die deutschen Behörden und Gerichte hatten keinen unmittelbaren Zugriff auf die technische Infrastruktur des meldenden Unternehmens und des NCMEC. Deshalb konnten sie die Entstehung des Reports nicht anhand anerkannter forensischer Maßstäbe selbst nachvollziehen. Außerdem führte die dynamische IP-Adresse lediglich in einen Haushalt. Sie belegte jedoch nicht, dass gerade der Angeschuldigte den Instagram-Account bedient oder die gemeldete Datei versandt hatte. Das Amtsgericht verlangte deshalb zusätzliche Ermittlungen. Dazu hätten beispielsweise weitere Kontodaten, Geräteinformationen, Standortdaten, Login-Daten oder sonstige Anhaltspunkte für einen konkreten Nutzer gehören können. Die bloße Annahme, eine Person passe aufgrund ihres Alters oder Geschlechts eher zum Inhalt einer Datei, genügt nicht. Denn aus dem Inhalt einer strafbaren Datei lässt sich nicht zuverlässig auf ihren konkreten Nutzer schließen.</p>
<h2>Anfangsverdacht und hinreichender Tatverdacht unterscheiden</h2>
<p>Die beiden Entscheidungen betreffen unterschiedliche Verfahrensstufen. Für eine Durchsuchung genügt ein Anfangsverdacht. Die Schwelle liegt deshalb vergleichsweise niedrig. Dennoch muss der Verdacht auf konkreten Tatsachen beruhen und sich auf den Betroffenen beziehen. Für die Eröffnung des Hauptverfahrens benötigt das Gericht dagegen einen hinreichenden Tatverdacht. Nach Abschluss der Ermittlungen muss eine Verurteilung wahrscheinlicher sein als ein Freispruch. Deshalb kann eine NCMEC-Meldung möglicherweise erste Ermittlungen rechtfertigen, obwohl sie für eine Anklage oder Verurteilung nicht ausreicht. Allerdings darf die niedrige Schwelle des Anfangsverdachts nicht dazu führen, dass eine Hausdurchsuchung lediglich dazu dient, den bisher fehlenden personenbezogenen Tatverdacht erst zu erzeugen. Eine Durchsuchung setzt einen Verdacht voraus. Sie darf nicht an die Stelle des Verdachts treten.</p>
<p>Andere Gerichte lassen NCMEC-Meldungen genügen.</p>
<p><strong>Die Rechtsprechung ist nicht einheitlich.</strong></p>
<p>Das <strong>Landgericht Bamberg</strong> hielt mit Beschluss vom 18. Dezember 2023 – 15 Qs 86/23 – eine Durchsuchung für zulässig, nachdem die </p><p>Der Beitrag <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/ncmec-meldung-und-ip-adresse-reicht-das-fuer-eine-hausdurchsuchung/">NCMEC-Meldung und IP-Adresse – Reicht das für eine Hausdurchsuchung?</a> erschien zuerst auf <a href="https://dost-rechtsanwalt.de">Rechtsanwalt für Strafrecht</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sichverschaffen von Kinderpornographie</title>
		<link>https://dost-rechtsanwalt.de/sichverschaffen-kinderpornographie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Oliver Marson]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Oct 2025 13:16:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kinderpornographische Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Sexueller Missbrauch]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://dost-rechtsanwalt.de/?p=14037</guid>

					<description><![CDATA[<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignright wp-image-15929 size-medium" src="https://dost-rechtsanwalt.de/wp-content/uploads/2025/10/Verteidigergespraech-300x200.jpg" alt="Sichverschaffen von Kinderpornographie" width="300" height="200" srcset="https://dost-rechtsanwalt.de/wp-content/uploads/2025/10/Verteidigergespraech-300x200.jpg 300w, https://dost-rechtsanwalt.de/wp-content/uploads/2025/10/Verteidigergespraech-1024x683.jpg 1024w, https://dost-rechtsanwalt.de/wp-content/uploads/2025/10/Verteidigergespraech-768x512.jpg 768w, https://dost-rechtsanwalt.de/wp-content/uploads/2025/10/Verteidigergespraech-350x233.jpg 350w, https://dost-rechtsanwalt.de/wp-content/uploads/2025/10/Verteidigergespraech.jpg 1536w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Das gezielte Anfordern von Nacktbildern mit Darstellung kindlicher Intimbereiche kann bereits den Tatbestand des<a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__176b.html" target="_blank" rel="noopener"> § 176b Abs. 1 Nr. 2 StGB</a> erfüllen. Im Sinne des § 184 Abs.3 Alt.2 StGB kann es allerdings eine straflose Vorbereitungshandlung sein. Zu diesem Ergebnis kam das Bayerische Oberste Landesgericht in einem Beschluss v. 6. Februar 2025.</p>
<p>Der Beschluss 202 StRR 5/25 des BayObLG befasst sich mit der Frage der Verurteilung wegen des Sichverschaffens <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/rechtsanwalt-bei-kapitalverbrechen/strafverteidigung-im-sexualstrafrecht/erwerb-von-kinderpornographie/merkmale-einer-kinderpornographischen-schrift/" target="_blank" rel="noopener">kinderpornographischer Inhalte gemäß § 184b StGB</a> unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen an den Schuldspruch und insbesondere der Strafzumessung und Begründungspflichten.</p>
<h2>Sachverhalt und rechtliche Ausgangslage</h2>
<p>Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, Nacktbilder von Kindern mit Intimbereich angefordert zu haben, womit ein bewusstes Einwirken gemäß § 176b Abs. 1 Nr. 2 StGB angenommen wurde. Das BayObLG betrachtet diese Tathandlung bereits als vollendete Vorbereitung des sexuellen Missbrauchs von Kindern, da durch das gezielte Anfordern eine konkretisierte Handlung gesetzt wurde.</p>
<p>Zudem wurde im Verfahren deutlich, dass das angegriffene Urteil bezüglich der Strafzumessung einem durchgreifenden Begründungsmangel unterlag. Die aus wenigen Zeilen stammenden Darlegungen genügten nicht den strengen Anforderungen, insbesondere bei Entscheidung für eine Freiheitsstrafe unter sechs Monaten. Das Amtsgericht hatte eine solche Strafe angesetzt, obwohl grundsätzlich eine Geldstrafe möglich gewesen wäre.</p>
<h2>Rechtliche Würdigung durch das Oberlandesgericht</h2>
<p>Das BayObLG nimmt in seinem Beschluss eine selbstständige Korrektur des Schuldspruchs vor (§ 354 Abs. 1 StPO), soweit erforderlich. Der Beschluss hebt hervor, dass § 265 Abs. 1 StPO dem nicht entgegensteht, weil der Angeklagte geständig war und sich nicht anders verteidigt hätte.</p>
<p>Im Hinblick auf die Strafzumessung verweist das Oberlandesgericht auf die strengen Anforderungen an eine Freiheitsstrafe unter sechs Monaten gemäß § 47 StGB: Solche Strafen sollen nur in Ausnahmefällen verhängt werden und erfordern eine eingehende und nachvollziehbare Gesamtwürdigung von Tat und Täterpersönlichkeit.</p>
<p>Das Gericht erachtet die im angefochtenen Urteil enthaltene Begründung als unzureichend, insbesondere bei positiver Prognose (§ 56 Abs. 1 StGB). Hieraus folgt, dass der Strafausspruch – soweit dies möglich ist – aufgehoben wird, andernfalls ist eine Zurückverweisung an das erstinstanzliche Gericht erforderlich.</p>
<h2>Bedeutung und Lehren für die Praxis</h2>
<p>Die Entscheidung des BayObLG macht deutlich:</p>
<p>Im Bereich sexualisierter Straftaten gegen Kinder kann bereits das gezielte Einwirken durch Anfordern von Bildern als vollendeter Tatbestand gewertet werden.</p>
<p>Bei Verhängung einer kurzen Freiheitsstrafe (&#60; 6 Monate) gelten hohe Anforderungen an die Begründung und Darlegung, insbesondere wenn zugleich eine positive Prognose bejaht wird.</p>
<p>Die Gerichte müssen in Strafzumessungen sorgfältig darlegen, welche Umstände die Ausnahme der Freiheitsstrafe rechtfertigen – nur knappe oder pauschale Formulierungen genügen nicht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/sichverschaffen-kinderpornographie/">Sichverschaffen von Kinderpornographie</a> erschien zuerst auf <a href="https://dost-rechtsanwalt.de">Rechtsanwalt für Strafrecht</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><img decoding="async" class="alignright wp-image-15929 size-medium" src="https://dost-rechtsanwalt.de/wp-content/uploads/2025/10/Verteidigergespraech-300x200.jpg" alt="Sichverschaffen von Kinderpornographie" width="300" height="200" srcset="https://dost-rechtsanwalt.de/wp-content/uploads/2025/10/Verteidigergespraech-300x200.jpg 300w, https://dost-rechtsanwalt.de/wp-content/uploads/2025/10/Verteidigergespraech-1024x683.jpg 1024w, https://dost-rechtsanwalt.de/wp-content/uploads/2025/10/Verteidigergespraech-768x512.jpg 768w, https://dost-rechtsanwalt.de/wp-content/uploads/2025/10/Verteidigergespraech-350x233.jpg 350w, https://dost-rechtsanwalt.de/wp-content/uploads/2025/10/Verteidigergespraech.jpg 1536w" sizes="(max-width: 300px) 100vw, 300px" />Das gezielte Anfordern von Nacktbildern mit Darstellung kindlicher Intimbereiche kann bereits den Tatbestand des<a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__176b.html" target="_blank" rel="noopener"> § 176b Abs. 1 Nr. 2 StGB</a> erfüllen. Im Sinne des § 184 Abs.3 Alt.2 StGB kann es allerdings eine straflose Vorbereitungshandlung sein. Zu diesem Ergebnis kam das Bayerische Oberste Landesgericht in einem Beschluss v. 6. Februar 2025.</p>
<p>Der Beschluss 202 StRR 5/25 des BayObLG befasst sich mit der Frage der Verurteilung wegen des Sichverschaffens <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/rechtsanwalt-bei-kapitalverbrechen/strafverteidigung-im-sexualstrafrecht/erwerb-von-kinderpornographie/merkmale-einer-kinderpornographischen-schrift/" target="_blank" rel="noopener">kinderpornographischer Inhalte gemäß § 184b StGB</a> unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen an den Schuldspruch und insbesondere der Strafzumessung und Begründungspflichten.</p>
<h2>Sachverhalt und rechtliche Ausgangslage</h2>
<p>Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, Nacktbilder von Kindern mit Intimbereich angefordert zu haben, womit ein bewusstes Einwirken gemäß § 176b Abs. 1 Nr. 2 StGB angenommen wurde. Das BayObLG betrachtet diese Tathandlung bereits als vollendete Vorbereitung des sexuellen Missbrauchs von Kindern, da durch das gezielte Anfordern eine konkretisierte Handlung gesetzt wurde.</p>
<p>Zudem wurde im Verfahren deutlich, dass das angegriffene Urteil bezüglich der Strafzumessung einem durchgreifenden Begründungsmangel unterlag. Die aus wenigen Zeilen stammenden Darlegungen genügten nicht den strengen Anforderungen, insbesondere bei Entscheidung für eine Freiheitsstrafe unter sechs Monaten. Das Amtsgericht hatte eine solche Strafe angesetzt, obwohl grundsätzlich eine Geldstrafe möglich gewesen wäre.</p>
<h2>Rechtliche Würdigung durch das Oberlandesgericht</h2>
<p>Das BayObLG nimmt in seinem Beschluss eine selbstständige Korrektur des Schuldspruchs vor (§ 354 Abs. 1 StPO), soweit erforderlich. Der Beschluss hebt hervor, dass § 265 Abs. 1 StPO dem nicht entgegensteht, weil der Angeklagte geständig war und sich nicht anders verteidigt hätte.</p>
<p>Im Hinblick auf die Strafzumessung verweist das Oberlandesgericht auf die strengen Anforderungen an eine Freiheitsstrafe unter sechs Monaten gemäß § 47 StGB: Solche Strafen sollen nur in Ausnahmefällen verhängt werden und erfordern eine eingehende und nachvollziehbare Gesamtwürdigung von Tat und Täterpersönlichkeit.</p>
<p>Das Gericht erachtet die im angefochtenen Urteil enthaltene Begründung als unzureichend, insbesondere bei positiver Prognose (§ 56 Abs. 1 StGB). Hieraus folgt, dass der Strafausspruch – soweit dies möglich ist – aufgehoben wird, andernfalls ist eine Zurückverweisung an das erstinstanzliche Gericht erforderlich.</p>
<h2>Bedeutung und Lehren für die Praxis</h2>
<p>Die Entscheidung des BayObLG macht deutlich:</p>
<p>Im Bereich sexualisierter Straftaten gegen Kinder kann bereits das gezielte Einwirken durch Anfordern von Bildern als vollendeter Tatbestand gewertet werden.</p>
<p>Bei Verhängung einer kurzen Freiheitsstrafe (&lt; 6 Monate) gelten hohe Anforderungen an die Begründung und Darlegung, insbesondere wenn zugleich eine positive Prognose bejaht wird.</p>
<p>Die Gerichte müssen in Strafzumessungen sorgfältig darlegen, welche Umstände die Ausnahme der Freiheitsstrafe rechtfertigen – nur knappe oder pauschale Formulierungen genügen nicht.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/sichverschaffen-kinderpornographie/">Sichverschaffen von Kinderpornographie</a> erschien zuerst auf <a href="https://dost-rechtsanwalt.de">Rechtsanwalt für Strafrecht</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Anfangsverdacht: Welche Grenzen setzt das Bundesverfassungsgericht?</title>
		<link>https://dost-rechtsanwalt.de/bundesverfassungsgericht-anfangsverdacht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Oliver Marson]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Oct 2025 15:10:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuell]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderpornographische Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Hausdurchsuchung]]></category>
		<category><![CDATA[Anfangsverdacht]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://dost-rechtsanwalt.de/?p=14025</guid>

					<description><![CDATA[<h2>Anfangsverdacht: Welche Grenzen?</h2>
<p>Eine Strafanzeige, ein Chat oder eine auffällige Zahlung können Ermittlungen auslösen. Doch ein Anfangsverdacht braucht tatsächliche Anhaltspunkte für eine verfolgbare Straftat. Bloße Vermutungen reichen nicht. Für eine Wohnungsdurchsuchung müssen zusätzlich die gesetzlichen Eingriffsvoraussetzungen und die Verhältnismäßigkeit gewahrt sein. Das Bundesverfassungsgericht kontrolliert, ob Strafverfolgungsbehörden und Gerichte dabei die Grundrechte beachten. Für Beschuldigte ist entscheidend: Welche Tatsachen waren bekannt, welchen Verdacht tragen sie und rechtfertigen sie gerade diese Maßnahme?</p>
<h2>Was bedeutet Anfangsverdacht?</h2>
<p>Nach § 152 Absatz 2 StPO muss die Staatsanwaltschaft grundsätzlich einschreiten, wenn zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine verfolgbare Straftat vorliegen.</p>
<p>Ein Tatnachweis ist dafür noch nicht erforderlich. Auch müssen nicht bereits sämtliche Einzelheiten feststehen. Der Verdacht muss sich jedoch auf konkrete Umstände stützen. Eine Anzeige kann solche Informationen liefern; ihre bloße Existenz ersetzt deren Prüfung nicht.</p>
<p>Anfangsverdacht bedeutet deshalb weder bewiesene Schuld noch automatisch eine bevorstehende Anklage.</p>
<h2>Rechtfertigt jeder Anfangsverdacht eine Durchsuchung?</h2>
<p>Nein. Eine Durchsuchung greift schwer in die durch <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_13.html" target="_blank" rel="noopener">Artikel 13 Grundgesetz</a> geschützte Privatsphäre ein. Neben dem Tatverdacht sind insbesondere die Aussicht, relevante Beweismittel zu finden, die Schwere des Vorwurfs und mögliche mildere Maßnahmen zu prüfen.</p>
<p>Das Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 29.01.2025 (1 BvR 1677/24), verdeutlicht diese Abwägung: Ein knapp 16-Jähriger hatte in einem kurzen Chat nach Nacktbildern gefragt. Daraus leiteten die Ermittler den Verdacht ab, er besitze weitere strafbare Inhalte.</p>
<p>Das Gericht äußerte Zweifel, ob der schwache Anfangsverdacht und die geringe Auffindewahrscheinlichkeit eine Durchsuchung rechtfertigten. Aufgehoben wurde die Anordnung allerdings nicht: Die Verfassungsbeschwerde war unzulässig, weil die Einhaltung der Beschwerdefrist nicht ausreichend dargelegt worden war.</p>
<h2>Neuere Rechtsprechung: Vermutungen genügen nicht</h2>
<p>Im Beschluss vom 03.11.2025 (1 BvR 259/24) beanstandete das Bundesverfassungsgericht eine Durchsuchung bei einem Rundfunkredakteur. Ihm wurde vorgeworfen, durch einen Internetbeitrag die weitere Betätigung einer verbotenen Vereinigung unterstützt zu haben.</p>
<p>Für deren Fortbestehen gab es zum maßgeblichen Zeitpunkt jedoch nur vage Anhaltspunkte. Eine weiterhin abrufbare, seit Jahren nicht aktualisierte Archivseite genügte hierfür nicht. Das Gericht stellte eine Verletzung der Rundfunkfreiheit fest.</p>
<p>Für die Verteidigung bedeutsam ist außerdem der Zeitpunkt: Später gewonnene Erkenntnisse dürfen einen ursprünglich unzureichenden Verdacht nicht rückwirkend ersetzen.</p>
<h2>Entscheidung 2026: Nicht jede ungenaue Zeitangabe macht den Beschluss rechtswidrig</h2>
<p>Das Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 14.01.2026 (1 BvR 1409/25), erläuterte die Anforderungen bei komplexen wirtschaftsstrafrechtlichen Ermittlungen.</p>
<p>Tatvorwurf und gesuchte Beweismittel müssen den Rahmen der Durchsuchung erkennbar begrenzen. Eine ausdrückliche enge Tatzeitangabe ist aber nicht ausnahmslos erforderlich: Im entschiedenen Fall erfasste der Verdacht die gesamte Geschäftstätigkeit eines erst vier Jahre bestehenden Unternehmens. Entscheidend war die Gesamtschau des Beschlusses. Die Verhältnismäßigkeit bleibt gesondert zu prüfen.</p>
<h2>Wie ich den Anfangsverdacht überprüfe</h2>
<p>Nach Akteneinsicht prüfe ich insbesondere:</p>
<ul>
<li>Welche belastenden Tatsachen lagen vor der Maßnahme vor?</li>
<li>Sind Schlussfolgerungen nachvollziehbar oder spekulativ?</li>
<li>Wurden entlastende Umstände berücksichtigt?</li>
<li>War die konkrete Ermittlungsmaßnahme erforderlich und angemessen?</li>
</ul>
<p>Je nach Ergebnis kommen eine Beschwerde gegen die Durchsuchungsanordnung und ein Antrag auf Einstellung des Ermittlungsverfahrens in Betracht.</p>
<h2>Wann hilft eine Verfassungsbeschwerde?</h2>
<p>Das Bundesverfassungsgericht ist keine zusätzliche Tatsacheninstanz. Grundsätzlich müssen zunächst die fachgerichtlichen Rechtsschutzmöglichkeiten ausgeschöpft werden. Die Grundrechtsverletzung muss konkret begründet werden; gegen gerichtliche Entscheidungen gilt regelmäßig eine Monatsfrist für Erhebung und Begründung.</p>
<p>Ihnen wird eine Straftat vorgeworfen oder Ihre Wohnung wurde durchsucht? In meiner Berliner Kanzlei prüfe ich die Verdachtsgrundlage und die geeigneten Verteidigungsschritte.</p>
<p><a href="https://dost-rechtsanwalt.de/kontakt-zum-strafverteidiger-marson/" target="_blank" rel="noopener">Rechtsanwalt Oliver Marson · Fachanwalt für Strafrecht</a> · Stand: September 2026.</p>
<p>&#160;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/bundesverfassungsgericht-anfangsverdacht/">Anfangsverdacht: Welche Grenzen setzt das Bundesverfassungsgericht?</a> erschien zuerst auf <a href="https://dost-rechtsanwalt.de">Rechtsanwalt für Strafrecht</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Anfangsverdacht: Welche Grenzen?</h2>
<p>Eine Strafanzeige, ein Chat oder eine auffällige Zahlung können Ermittlungen auslösen. Doch ein Anfangsverdacht braucht tatsächliche Anhaltspunkte für eine verfolgbare Straftat. Bloße Vermutungen reichen nicht. Für eine Wohnungsdurchsuchung müssen zusätzlich die gesetzlichen Eingriffsvoraussetzungen und die Verhältnismäßigkeit gewahrt sein. Das Bundesverfassungsgericht kontrolliert, ob Strafverfolgungsbehörden und Gerichte dabei die Grundrechte beachten. Für Beschuldigte ist entscheidend: Welche Tatsachen waren bekannt, welchen Verdacht tragen sie und rechtfertigen sie gerade diese Maßnahme?</p>
<h2>Was bedeutet Anfangsverdacht?</h2>
<p>Nach § 152 Absatz 2 StPO muss die Staatsanwaltschaft grundsätzlich einschreiten, wenn zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für eine verfolgbare Straftat vorliegen.</p>
<p>Ein Tatnachweis ist dafür noch nicht erforderlich. Auch müssen nicht bereits sämtliche Einzelheiten feststehen. Der Verdacht muss sich jedoch auf konkrete Umstände stützen. Eine Anzeige kann solche Informationen liefern; ihre bloße Existenz ersetzt deren Prüfung nicht.</p>
<p>Anfangsverdacht bedeutet deshalb weder bewiesene Schuld noch automatisch eine bevorstehende Anklage.</p>
<h2>Rechtfertigt jeder Anfangsverdacht eine Durchsuchung?</h2>
<p>Nein. Eine Durchsuchung greift schwer in die durch <a href="https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_13.html" target="_blank" rel="noopener">Artikel 13 Grundgesetz</a> geschützte Privatsphäre ein. Neben dem Tatverdacht sind insbesondere die Aussicht, relevante Beweismittel zu finden, die Schwere des Vorwurfs und mögliche mildere Maßnahmen zu prüfen.</p>
<p>Das Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 29.01.2025 (1 BvR 1677/24), verdeutlicht diese Abwägung: Ein knapp 16-Jähriger hatte in einem kurzen Chat nach Nacktbildern gefragt. Daraus leiteten die Ermittler den Verdacht ab, er besitze weitere strafbare Inhalte.</p>
<p>Das Gericht äußerte Zweifel, ob der schwache Anfangsverdacht und die geringe Auffindewahrscheinlichkeit eine Durchsuchung rechtfertigten. Aufgehoben wurde die Anordnung allerdings nicht: Die Verfassungsbeschwerde war unzulässig, weil die Einhaltung der Beschwerdefrist nicht ausreichend dargelegt worden war.</p>
<h2>Neuere Rechtsprechung: Vermutungen genügen nicht</h2>
<p>Im Beschluss vom 03.11.2025 (1 BvR 259/24) beanstandete das Bundesverfassungsgericht eine Durchsuchung bei einem Rundfunkredakteur. Ihm wurde vorgeworfen, durch einen Internetbeitrag die weitere Betätigung einer verbotenen Vereinigung unterstützt zu haben.</p>
<p>Für deren Fortbestehen gab es zum maßgeblichen Zeitpunkt jedoch nur vage Anhaltspunkte. Eine weiterhin abrufbare, seit Jahren nicht aktualisierte Archivseite genügte hierfür nicht. Das Gericht stellte eine Verletzung der Rundfunkfreiheit fest.</p>
<p>Für die Verteidigung bedeutsam ist außerdem der Zeitpunkt: Später gewonnene Erkenntnisse dürfen einen ursprünglich unzureichenden Verdacht nicht rückwirkend ersetzen.</p>
<h2>Entscheidung 2026: Nicht jede ungenaue Zeitangabe macht den Beschluss rechtswidrig</h2>
<p>Das Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 14.01.2026 (1 BvR 1409/25), erläuterte die Anforderungen bei komplexen wirtschaftsstrafrechtlichen Ermittlungen.</p>
<p>Tatvorwurf und gesuchte Beweismittel müssen den Rahmen der Durchsuchung erkennbar begrenzen. Eine ausdrückliche enge Tatzeitangabe ist aber nicht ausnahmslos erforderlich: Im entschiedenen Fall erfasste der Verdacht die gesamte Geschäftstätigkeit eines erst vier Jahre bestehenden Unternehmens. Entscheidend war die Gesamtschau des Beschlusses. Die Verhältnismäßigkeit bleibt gesondert zu prüfen.</p>
<h2>Wie ich den Anfangsverdacht überprüfe</h2>
<p>Nach Akteneinsicht prüfe ich insbesondere:</p>
<ul>
<li>Welche belastenden Tatsachen lagen vor der Maßnahme vor?</li>
<li>Sind Schlussfolgerungen nachvollziehbar oder spekulativ?</li>
<li>Wurden entlastende Umstände berücksichtigt?</li>
<li>War die konkrete Ermittlungsmaßnahme erforderlich und angemessen?</li>
</ul>
<p>Je nach Ergebnis kommen eine Beschwerde gegen die Durchsuchungsanordnung und ein Antrag auf Einstellung des Ermittlungsverfahrens in Betracht.</p>
<h2>Wann hilft eine Verfassungsbeschwerde?</h2>
<p>Das Bundesverfassungsgericht ist keine zusätzliche Tatsacheninstanz. Grundsätzlich müssen zunächst die fachgerichtlichen Rechtsschutzmöglichkeiten ausgeschöpft werden. Die Grundrechtsverletzung muss konkret begründet werden; gegen gerichtliche Entscheidungen gilt regelmäßig eine Monatsfrist für Erhebung und Begründung.</p>
<p>Ihnen wird eine Straftat vorgeworfen oder Ihre Wohnung wurde durchsucht? In meiner Berliner Kanzlei prüfe ich die Verdachtsgrundlage und die geeigneten Verteidigungsschritte.</p>
<p><a href="https://dost-rechtsanwalt.de/kontakt-zum-strafverteidiger-marson/" target="_blank" rel="noopener">Rechtsanwalt Oliver Marson · Fachanwalt für Strafrecht</a> · Stand: September 2026.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/bundesverfassungsgericht-anfangsverdacht/">Anfangsverdacht: Welche Grenzen setzt das Bundesverfassungsgericht?</a> erschien zuerst auf <a href="https://dost-rechtsanwalt.de">Rechtsanwalt für Strafrecht</a>.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Vorwurf der Vergewaltigung: Warum das Verfahren eingestellt wurde</title>
		<link>https://dost-rechtsanwalt.de/vergewaltigung-oder-nicht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Oliver Marson]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Sep 2024 19:40:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Sexualstrafrecht]]></category>
		<category><![CDATA[Vergewaltigung]]></category>
		<category><![CDATA[Anklage wegen Vergewaltigung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://dost-rechtsanwalt.de/?p=13702</guid>

					<description><![CDATA[<h2>Vergewaltigung – oder doch nicht?</h2>
<p>Ein Student kommt mit einem Anhörungsbogen der Polizei in meine Kanzlei. Der Vorwurf: Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall. Was als kurze sexuelle Beziehung begonnen hatte, ist nun Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens. Für meinen Mandanten stehen seine persönliche Zukunft und eine mögliche mehrjährige Freiheitsstrafe auf dem Spiel. Doch die sorgfältige Auswertung der Ermittlungsakte führt schließlich zur Einstellung – ohne Anklage.</p>
<h2>Eine Begegnung, zwei unterschiedliche Darstellungen</h2>
<p>Mein Mandant hatte die Beziehung zu einer jungen Frau beendet. Anschließend zeigte sie ihn an. Nach ihrer Darstellung war der Geschlechtsverkehr zunächst einvernehmlich gewesen. Später habe er sie an den Haaren gezogen, gewürgt und gegen ihren Willen erneut Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt.</p>
<p>Mein Mandant bestritt den Vorwurf. Er schilderte die sexuellen Kontakte als einvernehmlich.</p>
<p>Nach der Akteneinsicht untersuchte ich die Aussage der Zeugin im Einzelnen. Dabei waren auch ihre Angaben über Unterbrechungen bedeutsam: Beide hätten zwischendurch etwas getrunken, vertrauliche Gespräche geführt und anschließend den Geschlechtsverkehr fortgesetzt.</p>
<p>Solche Umstände beweisen für sich genommen kein Einverständnis. Entscheidend war die Gesamtbetrachtung: Welche Handlungen wurden konkret beschrieben? Woran sollte ein entgegenstehender Wille erkennbar gewesen sein? Wie fügte sich der behauptete Gewalteinsatz in den geschilderten Ablauf ein?</p>
<h2>Die Verteidigung setzte bei den konkreten Angaben an</h2>
<p>Aus meiner Auswertung ergaben sich erhebliche Einwände gegen die Annahme eines tatbestandsmäßigen Geschehens. Mein Mandant ließ sich nach Kenntnis der Akte umfassend ein. Gegenüber der Staatsanwaltschaft erläuterte ich, weshalb die Angaben der Zeugin aus Verteidigungssicht den Vergewaltigungsvorwurf nicht trugen.</p>
<p>Das Ergebnis: Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gemäß § 170 Absatz 2 StPO ein. Es kam zu keiner Anklage. Eine solche Einstellung bedeutet, dass die Ermittlungen keinen genügenden Anlass zur Anklageerhebung bieten. Sie ist allerdings nicht automatisch die Feststellung einer bewusst falschen Anzeige.</p>
<h2>Wann liegt nach heutigem Recht eine Vergewaltigung vor?</h2>
<p><a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__177.html" target="_blank" rel="noopener">§177 Absatz 1 StGB</a> erfasst sexuelle Handlungen gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person. Dieser Wille kann durch Worte oder Verhalten erkennbar werden. Körperliche Gegenwehr ist nicht erforderlich.</p>
<p>Eine anfängliche Zustimmung gilt nicht unbegrenzt: Auch während einer sexuellen Begegnung darf jeder seine Zustimmung zurücknehmen. Ebenso wenig begründet eine bestehende oder frühere Beziehung ein dauerhaftes Einverständnis.</p>
<p>§ 177 Absatz 2 StGB schützt außerdem Menschen in besonderen Situationen, beispielsweise wenn sie keinen entgegenstehenden Willen bilden oder äußern können. Ein ausgesprochenes „Nein“ ist deshalb keineswegs in jedem Fall Voraussetzung der Strafbarkeit.</p>
<p>Vergewaltigung ist in § 177 Absatz 6 Satz 2 Nummer 1 StGB als Regelbeispiel eines besonders schweren Falls erfasst. Dazu gehören insbesondere der Beischlaf und bestimmte vergleichbare sexuelle Handlungen. Der Strafrahmen beträgt bei Anwendung des Absatzes 6 mindestens zwei Jahre Freiheitsstrafe. Gewalt und weitere erschwerende Umstände können zusätzliche Vorschriften des § 177 StGB erfüllen.</p>
<h2>Neuere Rechtsprechung: Aussagen müssen sorgfältig geprüft werden</h2>
<p>Der Bundesgerichtshof hob mit Beschluss vom 13. April 2026 (1 StR 52/26) eine Verurteilung wegen Vergewaltigung auf. Bei „Aussage gegen Aussage“ müssen die Urteilsgründe eine überprüfbare Gesamtwürdigung ermöglichen. Dazu gehören die Entstehung der Aussage, ihre inhaltliche Entwicklung und mögliche Abweichungen zwischen Vernehmungen.</p>
<p>Auch das Bayerische Oberste Landesgericht verlangt eine sorgfältige Prüfung früherer Angaben, einschließlich der Schilderungen gegenüber Dritten: Beschluss vom 18. August 2025 (203 StRR 332/25). Diese Anforderungen betreffen die gerichtliche Beweiswürdigung und geben zugleich wichtige Ansatzpunkte für die Verteidigung im Ermittlungsverfahren.</p>
<h2>Was sollten Beschuldigte tun?</h2>
<p><strong>Bedeutet Aussage gegen Aussage automatisch eine Einstellung?</strong><br />
Nein. Auch eine einzelne glaubhafte Aussage kann eine Verurteilung tragen.</p>
<p><strong>Sollte ich den Anhörungsbogen sofort ausführlich beantworten?</strong><br />
Eine Einlassung sollte erst nach Akteneinsicht und sorgfältiger Beratung erfolgen. Sichern Sie vorhandene Nachrichten unverändert und versuchen Sie nicht, die anzeigende Person zu beeinflussen.</p>
<p>Als Fachanwalt für Strafrecht in Berlin prüfe ich persönlich die Aussagen, die vorhandenen Beweise und die rechtlichen Voraussetzungen des Vorwurfs. Kontaktieren Sie mich frühzeitig, damit ich Ihre Verteidigung bereits im Ermittlungsverfahren vorbereiten kann.</p>
<p><a href="https://dost-rechtsanwalt.de/kontakt-zum-strafverteidiger-marson/" target="_blank" rel="noopener">Rechtsanwalt Oliver Marson</a> · Aktualisiert im September 2026.</p>
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<p>Der Beitrag <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/vergewaltigung-oder-nicht/">Vorwurf der Vergewaltigung: Warum das Verfahren eingestellt wurde</a> erschien zuerst auf <a href="https://dost-rechtsanwalt.de">Rechtsanwalt für Strafrecht</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>Vergewaltigung – oder doch nicht?</h2>
<p>Ein Student kommt mit einem Anhörungsbogen der Polizei in meine Kanzlei. Der Vorwurf: Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall. Was als kurze sexuelle Beziehung begonnen hatte, ist nun Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens. Für meinen Mandanten stehen seine persönliche Zukunft und eine mögliche mehrjährige Freiheitsstrafe auf dem Spiel. Doch die sorgfältige Auswertung der Ermittlungsakte führt schließlich zur Einstellung – ohne Anklage.</p>
<h2>Eine Begegnung, zwei unterschiedliche Darstellungen</h2>
<p>Mein Mandant hatte die Beziehung zu einer jungen Frau beendet. Anschließend zeigte sie ihn an. Nach ihrer Darstellung war der Geschlechtsverkehr zunächst einvernehmlich gewesen. Später habe er sie an den Haaren gezogen, gewürgt und gegen ihren Willen erneut Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt.</p>
<p>Mein Mandant bestritt den Vorwurf. Er schilderte die sexuellen Kontakte als einvernehmlich.</p>
<p>Nach der Akteneinsicht untersuchte ich die Aussage der Zeugin im Einzelnen. Dabei waren auch ihre Angaben über Unterbrechungen bedeutsam: Beide hätten zwischendurch etwas getrunken, vertrauliche Gespräche geführt und anschließend den Geschlechtsverkehr fortgesetzt.</p>
<p>Solche Umstände beweisen für sich genommen kein Einverständnis. Entscheidend war die Gesamtbetrachtung: Welche Handlungen wurden konkret beschrieben? Woran sollte ein entgegenstehender Wille erkennbar gewesen sein? Wie fügte sich der behauptete Gewalteinsatz in den geschilderten Ablauf ein?</p>
<h2>Die Verteidigung setzte bei den konkreten Angaben an</h2>
<p>Aus meiner Auswertung ergaben sich erhebliche Einwände gegen die Annahme eines tatbestandsmäßigen Geschehens. Mein Mandant ließ sich nach Kenntnis der Akte umfassend ein. Gegenüber der Staatsanwaltschaft erläuterte ich, weshalb die Angaben der Zeugin aus Verteidigungssicht den Vergewaltigungsvorwurf nicht trugen.</p>
<p>Das Ergebnis: Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gemäß § 170 Absatz 2 StPO ein. Es kam zu keiner Anklage. Eine solche Einstellung bedeutet, dass die Ermittlungen keinen genügenden Anlass zur Anklageerhebung bieten. Sie ist allerdings nicht automatisch die Feststellung einer bewusst falschen Anzeige.</p>
<h2>Wann liegt nach heutigem Recht eine Vergewaltigung vor?</h2>
<p><a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__177.html" target="_blank" rel="noopener">§177 Absatz 1 StGB</a> erfasst sexuelle Handlungen gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person. Dieser Wille kann durch Worte oder Verhalten erkennbar werden. Körperliche Gegenwehr ist nicht erforderlich.</p>
<p>Eine anfängliche Zustimmung gilt nicht unbegrenzt: Auch während einer sexuellen Begegnung darf jeder seine Zustimmung zurücknehmen. Ebenso wenig begründet eine bestehende oder frühere Beziehung ein dauerhaftes Einverständnis.</p>
<p>§ 177 Absatz 2 StGB schützt außerdem Menschen in besonderen Situationen, beispielsweise wenn sie keinen entgegenstehenden Willen bilden oder äußern können. Ein ausgesprochenes „Nein“ ist deshalb keineswegs in jedem Fall Voraussetzung der Strafbarkeit.</p>
<p>Vergewaltigung ist in § 177 Absatz 6 Satz 2 Nummer 1 StGB als Regelbeispiel eines besonders schweren Falls erfasst. Dazu gehören insbesondere der Beischlaf und bestimmte vergleichbare sexuelle Handlungen. Der Strafrahmen beträgt bei Anwendung des Absatzes 6 mindestens zwei Jahre Freiheitsstrafe. Gewalt und weitere erschwerende Umstände können zusätzliche Vorschriften des § 177 StGB erfüllen.</p>
<h2>Neuere Rechtsprechung: Aussagen müssen sorgfältig geprüft werden</h2>
<p>Der Bundesgerichtshof hob mit Beschluss vom 13. April 2026 (1 StR 52/26) eine Verurteilung wegen Vergewaltigung auf. Bei „Aussage gegen Aussage“ müssen die Urteilsgründe eine überprüfbare Gesamtwürdigung ermöglichen. Dazu gehören die Entstehung der Aussage, ihre inhaltliche Entwicklung und mögliche Abweichungen zwischen Vernehmungen.</p>
<p>Auch das Bayerische Oberste Landesgericht verlangt eine sorgfältige Prüfung früherer Angaben, einschließlich der Schilderungen gegenüber Dritten: Beschluss vom 18. August 2025 (203 StRR 332/25). Diese Anforderungen betreffen die gerichtliche Beweiswürdigung und geben zugleich wichtige Ansatzpunkte für die Verteidigung im Ermittlungsverfahren.</p>
<h2>Was sollten Beschuldigte tun?</h2>
<p><strong>Bedeutet Aussage gegen Aussage automatisch eine Einstellung?</strong><br />
Nein. Auch eine einzelne glaubhafte Aussage kann eine Verurteilung tragen.</p>
<p><strong>Sollte ich den Anhörungsbogen sofort ausführlich beantworten?</strong><br />
Eine Einlassung sollte erst nach Akteneinsicht und sorgfältiger Beratung erfolgen. Sichern Sie vorhandene Nachrichten unverändert und versuchen Sie nicht, die anzeigende Person zu beeinflussen.</p>
<p>Als Fachanwalt für Strafrecht in Berlin prüfe ich persönlich die Aussagen, die vorhandenen Beweise und die rechtlichen Voraussetzungen des Vorwurfs. Kontaktieren Sie mich frühzeitig, damit ich Ihre Verteidigung bereits im Ermittlungsverfahren vorbereiten kann.</p>
<p><a href="https://dost-rechtsanwalt.de/kontakt-zum-strafverteidiger-marson/" target="_blank" rel="noopener">Rechtsanwalt Oliver Marson</a> · Aktualisiert im September 2026.</p>
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		<title>§ 184b StGB: Welche Strafen drohen bei einem KiPo-Vorwurf?</title>
		<link>https://dost-rechtsanwalt.de/kipo-reformbeduerftig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Oliver Marson]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Feb 2024 20:20:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Kinderpornographische Schriften]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderpornografie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://dost-rechtsanwalt.de/?p=13407</guid>

					<description><![CDATA[<h2>§184b StGB: Welche Strafen?</h2>
<p>„KiPo“ ist eine verbreitete Abkürzung für kinderpornographische Inhalte. Ihre Verbreitung, ihr Erwerb und ihr Besitz sind nach<a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184b.html" target="_blank" rel="noopener"> § 184b StGB</a> strafbar. Seit dem 28. Juni 2024 gelten jedoch niedrigere Mindeststrafen. Die Reform ermöglicht eine stärker am Einzelfall orientierte Reaktion – insbesondere bei geringem Verschulden. Eine Legalisierung ist damit nicht verbunden.</p>
<h2>Welche Strafen sieht § 184b StGB vor?</h2>
<p>Die Strafe hängt davon ab, welche Handlung nachgewiesen wird und welche Inhalte betroffen sind. Für die wesentlichen Tatbestände gilt:</p>
<p>Abruf, Erwerb und Besitz: drei Monate bis fünf Jahre Freiheitsstrafe bei tatsächlichen oder wirklichkeitsnahen Inhalten.</p>
<p>Verbreitung und bestimmte weitere Handlungen: grundsätzlich sechs Monate bis zehn Jahre Freiheitsstrafe.</p>
<p>Qualifizierte gewerbsmäßige oder bandenmäßige Taten: mindestens zwei Jahre Freiheitsstrafe unter den Voraussetzungen des Absatzes 2.</p>
<p>Für bestimmte nicht tatsächliche und nicht wirklichkeitsnahe Darstellungen enthält das Gesetz einen abweichenden Strafrahmen. Entscheidend ist deshalb die genaue rechtliche Einordnung.</p>
<h2>Was hat die KiPo-Reform geändert?</h2>
<p>Vor der Reform betrug die Mindeststrafe in den betroffenen Grundtatbeständen ein Jahr Freiheitsstrafe. Die Absenkung auf sechs beziehungsweise drei Monate bedeutet: Diese Taten sind wieder Vergehen. Qualifizierte Fälle nach Absatz 2 bleiben Verbrechen.</p>
<p>Damit kommt beispielsweise eine Einstellung gegen Auflagen nach § 153a StPO wieder in Betracht. Voraussetzung ist insbesondere, dass die Schwere der Schuld nicht entgegensteht und die Auflagen das öffentliche Strafverfolgungsinteresse beseitigen können. Ein Anspruch auf Einstellung besteht nicht.</p>
<h2>Was sagt die neuere Rechtsprechung?</h2>
<p>Der Bundesgerichtshof, Beschluss vom 11. September 2024 (4 StR 208/24), hob eine Einzelstrafe wegen Besitzes kinderpornographischer Inhalte und die darauf beruhende Gesamtstrafe auf. Das Landgericht hatte noch den früheren Strafrahmen angewandt. Der BGH konnte nicht ausschließen, dass die neue Mindeststrafe zu einer milderen Entscheidung geführt hätte.</p>
<p>Der Bundesgerichtshof, Beschluss vom 15. Januar 2025 (4 StR 201/24), bestätigte die Bedeutung der Reform auch im Revisionsverfahren. Zugleich zeigt die Entscheidung eine Grenze: Werden mit derselben Handlung weitere Straftatbestände erfüllt, kann deren Strafrahmen maßgeblich bleiben. Eine niedrigere Mindeststrafe führt deshalb nicht automatisch zu einer niedrigeren Gesamtstrafe. Gilt das mildere Recht auch für ältere Taten?</p>
<p>Grundsätzlich ja, wenn über die Tat noch nicht rechtskräftig entschieden wurde und die Neufassung im konkreten Vergleich das mildeste Gesetz ist. Das folgt aus § 2 Absatz 3 StGB. Bereits rechtskräftige Verurteilungen werden durch die Reform nicht automatisch geändert.</p>
<h2>Welche Bedeutung hat das für die Verteidigung?</h2>
<p>Ein Ermittlungsverfahren verlangt mehr als die Prüfung des Strafrahmens. Zu klären ist insbesondere:</p>
<ul>
<li>Erfüllt das Material überhaupt die gesetzlichen Voraussetzungen?</li>
<li>Lassen sich die Dateien und Handlungen dem Beschuldigten zuordnen?</li>
<li>Sind Kenntnis und vorsätzliches Handeln nachweisbar?</li>
<li>Welche Gesetzesfassung ist anwendbar?</li>
<li>Kommt eine Verfahrenseinstellung in Betracht?</li>
</ul>
<p><strong>Beispiel:</strong> Werden Dateien automatisch über einen Messenger gespeichert, müssen Kenntnis, tatsächliche Zugriffsmöglichkeiten und der weitere Umgang mit den Dateien untersucht werden. Der technische Fund allein beantwortet diese Fragen nicht.</p>
<h2>Was sollten Beschuldigte jetzt tun?</h2>
<p>Äußern Sie sich zum Tatvorwurf erst nach anwaltlicher Beratung und Akteneinsicht. Versenden Sie beanstandete Dateien auch zur vermeintlichen Klärung nicht weiter. Lassen Sie den rechtmäßigen Umgang damit anwaltlich klären.</p>
<p>Ich prüfe anhand der Ermittlungsakte, ob der Vorwurf tragfähig ist, welche Bedeutung die Reform für Ihren Fall hat und welche Verteidigungsstrategie sich daraus ergibt.</p>
<p>Stand: September 2026.</p>
<p><a href="https://dost-rechtsanwalt.de/kontakt-zum-strafverteidiger-marson/" target="_blank" rel="noopener">RA Marson</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/kipo-reformbeduerftig/">§ 184b StGB: Welche Strafen drohen bei einem KiPo-Vorwurf?</a> erschien zuerst auf <a href="https://dost-rechtsanwalt.de">Rechtsanwalt für Strafrecht</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h2>§184b StGB: Welche Strafen?</h2>
<p>„KiPo“ ist eine verbreitete Abkürzung für kinderpornographische Inhalte. Ihre Verbreitung, ihr Erwerb und ihr Besitz sind nach<a href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184b.html" target="_blank" rel="noopener"> § 184b StGB</a> strafbar. Seit dem 28. Juni 2024 gelten jedoch niedrigere Mindeststrafen. Die Reform ermöglicht eine stärker am Einzelfall orientierte Reaktion – insbesondere bei geringem Verschulden. Eine Legalisierung ist damit nicht verbunden.</p>
<h2>Welche Strafen sieht § 184b StGB vor?</h2>
<p>Die Strafe hängt davon ab, welche Handlung nachgewiesen wird und welche Inhalte betroffen sind. Für die wesentlichen Tatbestände gilt:</p>
<p>Abruf, Erwerb und Besitz: drei Monate bis fünf Jahre Freiheitsstrafe bei tatsächlichen oder wirklichkeitsnahen Inhalten.</p>
<p>Verbreitung und bestimmte weitere Handlungen: grundsätzlich sechs Monate bis zehn Jahre Freiheitsstrafe.</p>
<p>Qualifizierte gewerbsmäßige oder bandenmäßige Taten: mindestens zwei Jahre Freiheitsstrafe unter den Voraussetzungen des Absatzes 2.</p>
<p>Für bestimmte nicht tatsächliche und nicht wirklichkeitsnahe Darstellungen enthält das Gesetz einen abweichenden Strafrahmen. Entscheidend ist deshalb die genaue rechtliche Einordnung.</p>
<h2>Was hat die KiPo-Reform geändert?</h2>
<p>Vor der Reform betrug die Mindeststrafe in den betroffenen Grundtatbeständen ein Jahr Freiheitsstrafe. Die Absenkung auf sechs beziehungsweise drei Monate bedeutet: Diese Taten sind wieder Vergehen. Qualifizierte Fälle nach Absatz 2 bleiben Verbrechen.</p>
<p>Damit kommt beispielsweise eine Einstellung gegen Auflagen nach § 153a StPO wieder in Betracht. Voraussetzung ist insbesondere, dass die Schwere der Schuld nicht entgegensteht und die Auflagen das öffentliche Strafverfolgungsinteresse beseitigen können. Ein Anspruch auf Einstellung besteht nicht.</p>
<h2>Was sagt die neuere Rechtsprechung?</h2>
<p>Der Bundesgerichtshof, Beschluss vom 11. September 2024 (4 StR 208/24), hob eine Einzelstrafe wegen Besitzes kinderpornographischer Inhalte und die darauf beruhende Gesamtstrafe auf. Das Landgericht hatte noch den früheren Strafrahmen angewandt. Der BGH konnte nicht ausschließen, dass die neue Mindeststrafe zu einer milderen Entscheidung geführt hätte.</p>
<p>Der Bundesgerichtshof, Beschluss vom 15. Januar 2025 (4 StR 201/24), bestätigte die Bedeutung der Reform auch im Revisionsverfahren. Zugleich zeigt die Entscheidung eine Grenze: Werden mit derselben Handlung weitere Straftatbestände erfüllt, kann deren Strafrahmen maßgeblich bleiben. Eine niedrigere Mindeststrafe führt deshalb nicht automatisch zu einer niedrigeren Gesamtstrafe. Gilt das mildere Recht auch für ältere Taten?</p>
<p>Grundsätzlich ja, wenn über die Tat noch nicht rechtskräftig entschieden wurde und die Neufassung im konkreten Vergleich das mildeste Gesetz ist. Das folgt aus § 2 Absatz 3 StGB. Bereits rechtskräftige Verurteilungen werden durch die Reform nicht automatisch geändert.</p>
<h2>Welche Bedeutung hat das für die Verteidigung?</h2>
<p>Ein Ermittlungsverfahren verlangt mehr als die Prüfung des Strafrahmens. Zu klären ist insbesondere:</p>
<ul>
<li>Erfüllt das Material überhaupt die gesetzlichen Voraussetzungen?</li>
<li>Lassen sich die Dateien und Handlungen dem Beschuldigten zuordnen?</li>
<li>Sind Kenntnis und vorsätzliches Handeln nachweisbar?</li>
<li>Welche Gesetzesfassung ist anwendbar?</li>
<li>Kommt eine Verfahrenseinstellung in Betracht?</li>
</ul>
<p><strong>Beispiel:</strong> Werden Dateien automatisch über einen Messenger gespeichert, müssen Kenntnis, tatsächliche Zugriffsmöglichkeiten und der weitere Umgang mit den Dateien untersucht werden. Der technische Fund allein beantwortet diese Fragen nicht.</p>
<h2>Was sollten Beschuldigte jetzt tun?</h2>
<p>Äußern Sie sich zum Tatvorwurf erst nach anwaltlicher Beratung und Akteneinsicht. Versenden Sie beanstandete Dateien auch zur vermeintlichen Klärung nicht weiter. Lassen Sie den rechtmäßigen Umgang damit anwaltlich klären.</p>
<p>Ich prüfe anhand der Ermittlungsakte, ob der Vorwurf tragfähig ist, welche Bedeutung die Reform für Ihren Fall hat und welche Verteidigungsstrategie sich daraus ergibt.</p>
<p>Stand: September 2026.</p>
<p><a href="https://dost-rechtsanwalt.de/kontakt-zum-strafverteidiger-marson/" target="_blank" rel="noopener">RA Marson</a></p>
<p>Der Beitrag <a href="https://dost-rechtsanwalt.de/kipo-reformbeduerftig/">§ 184b StGB: Welche Strafen drohen bei einem KiPo-Vorwurf?</a> erschien zuerst auf <a href="https://dost-rechtsanwalt.de">Rechtsanwalt für Strafrecht</a>.</p>
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