Rechtsanwalt, Jugendpornographie,, Anwalt, Strafrecht, Berlin

Rechtsanwalt Ulrich Dost-Roxin

Was ist Jugendpornographie?

Jugendpornographie unterscheidet sich von der Kinderpornographie dadurch, dass die abgebildeten sexuellen Handlungen von Jugendlichen grundsätzlich erlaubt sind. Daher knüpft § 184 c StGB die Jugendpornographie nicht an die einschlägigen Jugendschutzvorschriften (§§ 174, 180, 182 StGB) an.  Denn das wäre auch unzweckmäßig. Denn der Betrachter kann die Tatbestandsverwirklichung in aller Regel nicht erkennen. Somit gelten für die Jugendpornographie dieselben Grundsätze wie für die allgemeine Pornographie nach § 184 StGB: Die Darstellung muss die nach allgemeinen gesellschaftlichen Wertvorstellungen gezogenen Grenzen des sexuellen Anstands eindeutig überschreiten. Daher muss sie Sexualität aus ihrer Interpersonalität lösen und in ihrer Gesamttendenz ausschließlich oder überwiegend auf die Erregung eines sexuellen Reizes zielen.

Aber Darstellungen jugendlicher Sexualität, die auf die zwischenmenschlichen Bezüge eingehen oder Aufklärungsschriften und informierende Artikel in Jugendzeitschriften sind keine Jugendpornographie i.S.v. § 184 c StGB.

Wann liegt keine Strafbarkeit vor?

Soweit es um Nacktbilder von Kindern und Jugendlichen geht, die in ein privates Umfeld eingebettet sind (Urlaub, Spiele am Meer usw.)), fehlt bereits der Charakter der Pornographie. Auch Abbildungen nackter Kinder und Jugendlicher zu Lehrzwecken oder zu wissenschaftlichen Zwecken sind keine Pornographie. Auch dann nicht, wenn sie von potentiellen Betrachtern zur  Stimulierung verwendet werden.

Die Darstellung des realen sexuellen Missbrauchs an Kindern (sog. „harte“ Kinderpornographie) ist unter keinen Umständen gerechtfertigt. Die Kunstfreiheit nach Art. 5 Abs. 3 GG greift hier schon nicht ein. Denn sie kollidieren mit elementaren Grundrechten des missbrauchten Kindes, insbesondere auch seiner Menschenwürde (Art. 1 Abs. 1 GG). Bei fiktionaler Kinderpornographie sind Ausnahmen denkbar, zumal ihre Strafwürdigkeit ohnehin zweifelhaft ist. Auch bei Jugendpornographie ist im Ausnahmefall eine Rechtfertigung nach Art. 5 Abs. 3 GG vorstellbar. Das deshalb, weil sexuelle Handlungen von Jugendlichen nicht grundsätzlich verboten sind und jugendpornographische Darstellungen weniger gewichtiges Unrecht bedeuten.

Ausschluss der Strafbarkeit bei Jugendpornographie

Darüber hinausgehend enthält § 184 c Abs. 4 S. 2 StGB einen Tatbestandsausschluss für die Besitzer
jugendpornographischer Schriften, die diese Schriften selbst hergestellt haben. Der Gesetzgeber wollte damit die unter Jugendlichen innerhalb einer Beziehung anscheinend verbreitete Aufnahme und Weitergabe von sexuellen Darstellungen straflos stellen. Der Gesetzeswortlaut setzt eine derartige Beziehung jedoch nicht voraus. Vielmehr müssen der Hersteller und die dargestellte Person Jugendliche sein und die aufgenommene Person muss mit der Darstellung faktisch einverstanden sein. Aber es ist nicht verständlich, warum nur der Hersteller privilegiert wird, nicht aber eine Person, der der Hersteller ein Selbstbildnis geschenkt hat.

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